Die Blockchain-Technologie ist auch für KMU relevant

Wenn sie bei ihren Vorträgen die Blockchain-Technologie erklärt, dann macht Prof. Dr. Heike Hölzner dies gerne am Beispiel eines Kassenbuchs. Dessen Seiten kleben fest in einem Leinenrücken, Einnahmen und Ausgaben sind für alle einsehbar aufgelistet. Hölzners Frage an das Publikum: Was passiert, wenn eine Seite herausgerissen wird? Merkt jeder, logisch. Und jeder merkt im weiteren Verlauf des Vortrags auch, dass die Wirtschaftswissenschaftlerin in der Ausgabenspalte ihres fiktiven Kassenbuchs einen Fehler eingearbeitet hat. Ohne technische Details ausführen zu müssen, erklärt Prof. Dr. Hölzner so die wichtige Eigenschaft einer Blockchain, nämlich Transparenz und Unveränderbarkeit. So macht sie mühelos verständlich, warum die Technologie zu effizienteren und transparenteren Wertschöpfungsketten führen kann.

Für Dr. Henning von der Osten, Geschäftsführer der Gebrüder Geisler GmbH, die Stanzteile für die Automobilelektronik und Medizintechnik herstellt, ist die Blockchain-Technologie vor allem in punkto Materialherkunftsnachweise und Chargenverfolgung interessant. „Seitdem ich Prof. Dr. Hölzners Präsentation im InnoTech-Ausschuss der IHK Berlin erlebt habe, verstehe ich besser, worauf ich achten muss, wenn uns Kunden in Blockchain-Anwendungen einbeziehen möchten“, sagt Dr. von der Osten.

Genau das ist das Ziel von Prof. Dr. Hölzner in dem auf das Akronym „PABlo“ getauften Forschungsprojekts „Potenziale und Anwendungen der Blockchain Technologie für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)“. Sie informiert und sensibilisiert KMU vor allem in Berlin und Brandenburg für die mit der Blockchain-Technologie verbundenen Chancen. Hier ein Vortrag auf Einladung der Industrie- und Handelskammer, dort speziell aufbereitete Materialien, zwischendurch Workshops, in denen Ideen entwickelt und Geschäftsmodelle diskutiert werden.

Diese Angebote sind vor allem für KMU wichtig, da sie im Gegensatz zu Konzernen nicht die Ressourcen besitzen, um eigene Analysen durchzuführen. Kooperationspartner im Projekt sind die Beuth Hochschule für Technik, der Branchenverband Bitkom e.V. sowie seitens der Wirtschaft zwei Beratungsunternehmen, nämlich die Emrald Risk Consulting GmbH und die Sirius Minds GmbH.

Möglich wurde das Projekt „PABlo“ durch die Förderung durch das Institut für Angewandte Forschung (IFAF) Berlin. Das IFAF Berlin wird vom Land Berlin gefördert und von vier staatlichen Fachhochschulen getragen, darunter der HTW Berlin. Im November 2019 feiert es sein zehnjähriges Bestehen. Insgesamt 56 praxisorientierte Projekte wurden seit der Gründung gefördert, in vielen Fällen ergaben sich konstruktive Lösungsansätze für die Verbesserung oder Neuentwicklung von Prozessen, Dienstleistungen oder Produkten in Berlin bzw. der Hauptstadtregion.

Auch Prof. Dr. Hölzner ist dem IFAF Berlin sehr dankbar. Sie hat mit der Blockchain-Technologie ein ebenso spannendes wie für den Wirtschaftsstandort relevantes Forschungsthema entdeckt, das sie in den nächsten Jahren vertiefen möchte. Noch befindet sich die Blockchain-Technologie in einem frühen Stadium“, sagt die Wissenschaftlerin. Als Infrastrukturtechnologie müsse sie ähnlich wie das Internet auf breiter Ebene aufgebaut und entwickelt werden. Doch weil gerade KMU in Wertschöpfungsnetzwerken agieren, die sich der Blockchain-Technologie perspektivisch bedienen werden, sei jetzt der richtige Zeitpunkt sich inhaltlich und technologisch vorzubereiten. Daran will sie in weiteren Projekten mitarbeiten.

Blockchain Experience Labs für Entscheider in KMU, die Blockchain-basierte Use-Cases entwickeln wollen: 22./23. Januar 2020, Berlin
Zur elektronischen Anmeldung

Blockchain-Wissensplattform für KMU in Berlin

Weitere Informationen zum Projekt „PABlo“

Text: Gisela Hüttinger, Transfer- und Projektkommunikation, HTW Berlin
Foto: IHK Berlin